Mikronährstoffe in der Schwangerschaft und Stillzeit: Ein Überblick über den Nährstoffbedarf
Dieser Überblick zeigt, welche Mikronährstoffe in der Schwangerschaft und der Stillzeit eine Rolle spielen und wie sich der Bedarf im Verlauf dieser Zeit verändert.
In der Schwangerschaft und Stillzeit verändert sich der Nährstoffbedarf des Körpers. Neben der Versorgung der Mutter spielt auch die Entwicklung des Kindes eine wichtige Rolle. Deshalb steigt der Bedarf an bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen und Fettsäuren.
Inhalt
Warum Mikronährstoffe in der Schwangerschaft besonders wichtig sind
Während der Schwangerschaft laufen im Körper zahlreiche Anpassungsprozesse ab und der Bedarf an verschiedenen Mikronährstoffen steigt deutlich an. Der Organismus versorgt nicht nur die Mutter selbst, sondern auch das wachsende Kind.
Mikronährstoffe sind unter anderem beteiligt an:
- Zellteilung und Zellwachstum
- der Entwicklung von Organen und Geweben
- der Bildung von Blut und Gewebe
- verschiedenen Stoffwechselprozessen
Mehr zum Thema Schwangerschaft & Stillzeit finden Sie in unserer Themenwelt Schwangerschaft & Stillzeit.
Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft: Was sich verändert
Während im ersten Trimester der Energiebedarf kaum steigt, nimmt er in den späteren Monaten zu. Deutlich stärker als der Energiebedarf steigt während der Schwangerschaft und Stillzeit der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen.
Erstes Trimester
Im ersten Trimester beginnen wichtige Entwicklungsprozesse beim Embryo. In dieser frühen Phase der Schwangerschaft spielen vor allem Nährstoffe eine Rolle, die an der Zellteilung und der Gewebeentwicklung beteiligt sind.
Zweites Trimester
Im zweiten Trimester nimmt das Wachstum des Kindes deutlich zu. Gleichzeitig beginnen sich Gewebe, Blutvolumen und Stoffwechsel der Mutter stärker anzupassen. Dadurch steigt auch der Bedarf an verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen.
Drittes Trimester
Im dritten Trimester wächst das Kind besonders schnell und baut zunehmend Reserven auf. Auch in dieser Phase bleibt eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen zentral.
Wichtige Mikronährstoffe in der Schwangerschaft – ein Überblick
Detaillierte Informationen finden Sie im Subartikel "Wichtige Nährstoffe in der Schwangerschaft und Stillzeit".
Folsäure (Folat)
Folat trägt zum Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft bei und hat eine Funktion bei der Zellteilung.
Eisen
Eisen trägt zur normalen Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin, zum normalen Sauerstofftransport im Körper sowie zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
Während der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf, unter anderem aufgrund der erhöhten Blutbildung.
Jod
Jod wird für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt und trägt unter anderem
zu einem normalen Energiestoffwechsel und zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
Vitamin D
Vitamin D wird für ein gesundes Wachstum und eine gesunde Entwicklung der Knochen bei Kindern benötigt. Zudem hat Vitamin D eine Funktion bei der Zellteilung.
Omega-3-Fettsäure DHA
Die Aufnahme von DHA durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung des Gehirns und der Augen beim Fötus und beim gestillten Säugling bei1.
1 Positive Wirkung, wenn zusätzlich zu der für Erwachsene empfohlenen Tagesdosis an Omega-3-Fettsäuren (d. h. 250 mg DHA und EPA) täglich 200 mg DHA eingenommen werden.
Ernährung während der Schwangerschaft
Eine abwechslungsreiche Ernährung kann dazu beitragen, den erhöhten Bedarf an vielen Mikronährstoffen zu decken.
Zu einer ausgewogenen Ernährung gehören unter anderem:
- Gemüse und Früchte
- Vollkornprodukte
- Milchprodukte
- Hülsenfrüchte
- Fleisch, Fisch und hochwertige Pflanzenöle
In der Schwangerschaft wird die Verteilung der täglichen Nahrungsaufnahme auf mehrere kleinere Mahlzeiten häufig als angenehmer beschrieben als das Essen weniger grosser Portionen. So wird der Magen weniger belastet und Beschwerden wie Übelkeit oder Völlegefühl können reduziert werden. Die genaue Aufteilung der Mahlzeiten kann individuell variieren.
Nährstoffbedarf in der Stillzeit
Auch nach der Geburt bleibt der Bedarf an verschiedenen Mikronährstoffen erhöht. Während der Schwangerschaft steht vor allem die Entwicklung des Kindes im Mutterleib im Vordergrund. In der Stillzeit erfolgt die Versorgung des Säuglings dann über die Muttermilch.
Da für die Bildung von Muttermilch zusätzliche Energie und Nährstoffe benötigt werden, ist der Energiebedarf in der Stillzeit häufig höher als während der Schwangerschaft. Gleichzeitig bleibt eine ausreichende Versorgung mit bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen und Fettsäuren wichtig.
Fazit: Mikronährstoffe spielen eine zentrale Rolle
Während der Schwangerschaft und Stillzeit verändert sich der Nährstoffbedarf des mütterlichen Körpers deutlich. Bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren werden in dieser Zeit in grösseren Mengen benötigt, um sowohl die Gesundheit der Mutter als auch die Entwicklung des Kindes zu unterstützen.
Eine ausgewogene Ernährung bleibt dabei die wichtigste Grundlage. Dennoch kann es in dieser Lebensphase schwierig sein, den erhöhten Bedarf ausschliesslich über die Ernährung zu decken. Deshalb ist – je nach individueller Situation – eine zusätzliche Zufuhr ausgewählter Mikronährstoffe sinnvoll.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Angaben zum Nährstoffbedarf während Schwangerschaft und Stillzeit basieren auf Empfehlungen und Referenzwerten offizieller Fachinstitutionen. Dazu gehören unter anderem nationale und europäische Ernährungsgesellschaften sowie Gesundheitsbehörden.
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)
- D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung)
- European Food Safety Authority (EFSA): Dietary Reference Values for nutrients
- Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE)